In letzter Zeit gab es wichtige Neuigkeiten von der Angebotsseite ausländischer Minen. Während die wichtigsten Eisenerzlieferländer mit anhaltenden Problemen zu kämpfen haben, blieb das Exportvolumen in den inländischen Häfen hoch und trieb die Eisenerzpreise weiter an. Durch den Vergleich und die Analyse der Fundamentaldaten des Eisenerzmarktes aus den Jahren 2019 und 2020 untersuchen wir, ob der Preisanstieg im Juni anhalten wird.
Die gesamten Eisenerzbestände sind geringer als im Vorjahr.
Hinsichtlich der Eisenerzbestände analysieren wir die Situation der Hafen- und Stahlwerksbestände. In den vergangenen elf Wochen sind die Eisenerzbestände in Hongkong kontinuierlich gesunken und liegen aktuell unter 110 Millionen Tonnen. Gleichzeitig blieb die Anzahl der leerstehenden Häfen nach Mitte April weiterhin hoch. Der diesjährige Prozess der Eisenerz-Dekompression begann nach dem Frühlingsfest. Im Jahr 2019 verzögerte sich dieser Prozess aufgrund der Dammbrüche in Brasilien bis April.
Hinsichtlich der Lagerbestände von Stahlwerken verglichen wir die Gesamtbestände an Sinterpulvererz von 64 Stahlwerken in den Jahren 2019 und 2020. Die Gesamtbestände zu Jahresbeginn waren deutlich höher als im Vorjahr. Nach mehreren Monaten hoher Nachfrage liegen die aktuellen Gesamtbestände nahe am Vorjahresniveau, was einem Anstieg von 3,85 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Die Lagerbestände in den Häfen sind deutlich gesunken, die Lagerbestände der Stahlwerke sind in etwa gleich geblieben wie im Vorjahr. Insgesamt sind die Eisenerzbestände knapper als 2019.
Aufgrund der Epidemie in Brasilien ist das weltweite Eisenerzangebot knapp.
Auf der Angebotsseite befinden sich die Gesamtlieferungen nach Australien und Brasilien seit dem Frühlingsfest 2020 auf einem niedrigen Niveau im Vergleich zum Vorjahr.
In Brasilien entsprach das Liefervolumen im ersten Quartal dieses Jahres in etwa dem Volumen, das durch den Dammbruch im Zeitraum April bis Juni des Vorjahres beeinträchtigt war. Vale, Brasiliens größter Eisenerzlieferant, meldete für das erste Quartal 2020 eine Gesamtproduktion von 59,6 Millionen Tonnen Eisenerz, was unter der Prognose von 63 bis 68 Millionen Tonnen lag.
Aufgrund des Produktionsausfalls im ersten Quartal reduzierte Vale die jährliche Fördermenge von Feinerz von 340 bis 355 Millionen Tonnen auf 310 bis 330 Millionen Tonnen und die jährliche Pelletproduktion von 440 Millionen Tonnen auf 350 bis 400 Millionen Tonnen. Das Unternehmen nannte vier Hauptgründe: Erstens den Produktionsrückgang im ersten Quartal; zweitens verzögerten sich die Bewertungs- und Genehmigungsverfahren in den Gebieten Timbopeba und Fabirca aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie; drittens werden die Folgen des Dammbruchs am Brucutu-Absetzbecken im Jahr 2019 voraussichtlich bis Ende des zweiten Quartals andauern; viertens die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie.
Regional betrachtet verzeichnen die fünf Abbaugebiete des südöstlichen und südlichen Vale-Systems den größten Produktionsrückgang im Vergleich zum Vorjahr, während das Abbaugebiet S11D in Minas Gerais und das Abbaugebiet Corumba im Mittleren Westen im ersten Quartal ein gewisses Produktionswachstum aufweisen.
Vier von Vale durchgeführte Analysen der vier Hauptursachen für zukünftige Produktionsrückgänge stehen in engem Zusammenhang mit der COVID-19-Epidemie. Derzeit befindet sich der COVID-19-Ausbruch in Brasilien noch in der Ausbruchsphase. Laut Mitteilungen und Nachrichten des brasilianischen Gesundheitsministeriums sind die wichtigsten Abbaugebiete im Norden, Süden und Südosten Brasiliens stark betroffen, und die Epidemie befindet sich noch in der Ausbruchsphase. Die Produktion in den betroffenen Gebieten erreichte im ersten Quartal dieses Jahres 59,04 Millionen Tonnen. Lediglich Mato Grosso, wo sich das zentrale Abbaugebiet befindet, ist unter Kontrolle, doch die Eisenerzproduktionskapazität des Bundesstaates lag im ersten Quartal mit nur 595.000 Tonnen deutlich unter der anderer Regionen. Mit Beginn des Winters auf der Südhalbkugel könnte sich die Epidemie in Brasilien weiter verschärfen.
Von Januar bis Mai beliefen sich Brasiliens Eisenerzexporte nach China auf rund 78,7 Millionen Tonnen, ein Rückgang von 5 % gegenüber dem Vorjahr. Basierend auf den Daten der Versandtabelle schätzten wir die im Juni von Brasilien nach China verschiffte Eisenerzmenge. Prognosen zufolge erreichte Brasilien im Juni rund 12,8 Millionen Tonnen, ein Anstieg von etwa 60 % gegenüber dem Vorjahr. Brasiliens Eisenerzexporte nach China werden im ersten Halbjahr 2020 auf 89,90 Millionen Tonnen geschätzt, gegenüber 90,6 Millionen Tonnen im ersten Halbjahr 2019. Anders ausgedrückt: Aufgrund starker Regenfälle und der Pandemie fiel der Rückgang der Warenexporte von Brasilien nach China im ersten Halbjahr dieses Jahres ähnlich groß aus wie der durch den Dammbruch im Vorjahr verursachte Rückgang.
In Australien gingen die Lieferungen im April 2019 aufgrund der Auswirkungen von Hurrikanen stark zurück. Obwohl die Beziehungen zwischen China und Australien vor einiger Zeit angespannt waren und Gerüchte kursierten, dies würde sich auf Australiens Eisenerzexporte nach China auswirken, zeigen die aktuellen Daten der Verschiffungstabelle einen deutlichen Anstieg der australischen Eisenerzexporte nach China im Vergleich zum Vorjahr. Von Januar bis Mai 2019 exportierte Australien 274 Millionen Tonnen Eisenerz nach China, verglichen mit 305 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum dieses Jahres – ein Plus von 31,169 Millionen Tonnen bzw. 11 %. Wir gehen davon aus, dass die australischen Lieferungen auf dem aktuellen Niveau bleiben werden und im Juni voraussichtlich 60 Millionen Tonnen eintreffen werden.
Den Schifffahrtsdaten zufolge beliefen sich die weltweiten Eisenerzlieferungen nach China von Januar bis Mai 2020 auf 439 Millionen Tonnen, ein Anstieg um 28,02 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf die gestiegenen Lieferungen aus Australien zurückzuführen.
Im ersten Halbjahr dieses Jahres werden die brasilianischen Lieferungen voraussichtlich weiterhin schwach ausfallen, während der Anstieg in Australien die Angebotslücke in Brasilien und anderen Ländern ausgleichen dürfte. Kurzfristig wird das ausländische Minenangebot voraussichtlich auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Sollte die Epidemielage in Brasilien im zweiten Halbjahr unter Kontrolle gebracht werden, dürfte das Liefervolumen im Gesamtjahr anziehen und das Gesamtangebot an ausländischen Minen das Niveau des Vorjahres übertreffen.
Analyse der Eisenerzvorkommen in dünn besiedelten Häfen und der Nachfrage
Aus den saisonalen Daten des C/S-Verhältnisses geht hervor, dass der Abwärtstrend des C/C-Verhältnisses des Hafens im Jahr 2020 am 9. Februar begann, während der anhaltende Rückgang des C/C-Verhältnisses im Jahr 2019 erst am 30. März jenes Jahres einsetzte.
Den wenigen verfügbaren Hafendaten zufolge ist das durchschnittliche tägliche Eisenerzumschlagvolumen in diesem Jahr – abgesehen vom Frühlingsfest – höher als im Vorjahreszeitraum und liegt seit Mitte März konstant bei über 3 Millionen Tonnen. Dies bestätigt sich auch an der Auslastung der Eisenerzlager. Seit dem Frühlingsfest ist diese Auslastung niedrig und liegt deutlich unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Beim Vergleich des gesamten täglichen Verbrauchs inländischer und ausländischer Rohstoffe in den Jahren 2019 und 2020 zeigte sich, dass dieser seit März dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch inländischer und ausländischer Rohstoffe lag im April des Vorjahres bei 630.000 Tonnen. Im gleichen Zeitraum dieses Jahres betrug der gesamte tägliche Verbrauch inländischer und ausländischer Rohstoffe 670.000 Tonnen, was einem Anstieg von 6,35 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Aus dem Verhältnis von Angebot, Nachfrage und Lagerbeständen geht hervor, dass die Lagerbestände im Hafen von Januar bis Mai dieses Jahres niedriger waren als im Vorjahr, die Lagerbestände im Stahlwerk leicht anstiegen, der tägliche Verbrauch des Stahlwerks im Jahresvergleich deutlich zunahm und die Verkaufsquote der Eisenerzlager im Hafen sank. Daraus lässt sich schließen, dass der Eisenerzverbrauch in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr höher ist.
Seit Anfang 2020 ist die Roheisenproduktion leicht höher als im Vorjahreszeitraum. Im April betrug die Roheisenproduktion 72,02 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 3 % gegenüber dem Vorjahr. Da die aktuelle Stahlproduktion relativ stark von politischen Maßnahmen beeinflusst wird, besteht trotz der zahlreichen Herausforderungen für die Stahlindustrie dank einer Reihe günstiger Rahmenbedingungen weiterhin Entwicklungspotenzial. Zu diesem Zweck haben wir die Auswirkungen der drei Produktionsfaktoren auf die Eisenerznachfrage analysiert: hohe Nachfrage (Produktionsniveau 102 % des Vorjahreszeitraums), neutrale Nachfrage (Produktionsniveau 101 % des Vorjahreszeitraums) und niedrige Nachfrage (Produktionsniveau auf dem Niveau von 2019).
Auf Grundlage der oben genannten Daten und Annahmen schließen wir, dass die Nachfrage nach Eisenerz im Juni bei guter Nachfrage um etwa 2,2 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist; bei neutralem Nachfragewachstum beträgt das Wachstum etwa 1,1 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Die weltweiten Eisenerzlieferungen nach China dürften im Juni im Jahresvergleich um etwa 3,7 Millionen Tonnen zunehmen. Unter Berücksichtigung der Transportzeiten von Brasilien und Australien nach China dürfte sich das Ungleichgewicht zwischen Eisenerzangebot und -nachfrage im Juni etwas abschwächen, und die fundamentale Stütze für steigende Eisenerzpreise hat sich weiter abgeschwächt.
Veröffentlichungsdatum: 05.06.2020





